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Diesel aus Jatropha? Die Wunderpflanze

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Diesel aus Jatropha? Die Wunderpflanze

pte / hv - Es klingt wie ein Märchen. Eine Nuss soll das Öl der Zukunft liefern. Die Pflanze wächst unter kärgsten Bedingungen. Sie kann Ödland fruchtbar machen und Arbeitsplätze schaffen, aus ihr lassen sich Seife, Futtermittel und sogar ein Bio-Pestizid gewinnen. Da die Nuss als Biokraftstoff nur so viel CO2 verbrennt, wie sie zuvor beim Wachsen gebunden hat, wäre ihr Öl nahezu klimaneutral.

Der Name dieser Wunderpflanze: Jatropha curcas, ein Wolfsmilchgewächs, das früher als Abführmittel eingesetzt wurde. Täglich findet Google mehr Einträge zum Schlagwort "Jatropha". Bereits in drei Jahren sollen die ersten Plantagen tragen. Dann werde auch ein Jatropha-Ölmarkt entstehen. Der Vorteil der Jatropha: Die Pflanze ist nicht essbar und wächst auf kargen Böden - der Anbau verdrängt also nicht die Produktion von Lebensmitteln.

Professor Klaus Becker von der Universität Stuttgart-Hohenheim ist Jatropha-Pionier der ersten Stunde. Seit 2003 leitet er ein Jatropha-Projekt in Bhavnagar im Nordwesten Indiens im Bundesstaat Gujarat. Als Geldgeber konnte er DaimlerChrysler gewinnen. Seit Anfang 2006 ist auch BP in Indien aktiv.

Bei einem Projekt im ostafrikanischen Tansania liegt der Schwerpunkt auf der Photovoltaik. Für Flexibilität sorgen umgebaute Dieselgeneratoren und Batteriesysteme. Betrieben werden die Generatoren mit Jatropha-Öl, das direkt vor Ort mit einer einfachen mechanischen Presse hergestellt wird. Der Presskuchen wird als Dünger verwendet. Das Solar-Hybridsystem in Tansania versorgt mehr als 140 Menschen in Einrichtungen der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul, ein katholischer Orden, der sich seit 1960 in Tansania engagiert.

BP denkt in anderen Dimensionen. Bis 2016 will das Unternehmen insgesamt eine Milliarde US-Dollar investieren, "um damit eine führende Position im Geschäft mit Biokraftstoffen aufzubauen", wie der Vorstandschef der Deutschen BP, Uwe Franke, unlängst verkündete. In das auf zehn Jahre angelegte Jatropha-Projekt steckt der Konzern 9,4 Millionen Dollar. Etwa 8.000 Hektar Ödnis sollen mit der Jatropha bepflanzt werden. Das Ziel sind neun Millionen Liter Biodiesel pro Jahr.

Bereits jetzt ist klar: Jatropha ist unglaublich genügsam. Die Pflanze gedeiht sogar in der ägyptischen Wüste. Bewässert wird sie dort nicht mit kostbarem Trinkwasser, sondern mit städtischem Schmutzwasser. "Das glaubt man nicht, wenn man es nicht gesehen hat", sagt der Hohenheimer Wissenschaftler. "Mitten in der Wüste, im normalen Wüstensand, wird Jatropha angebaut und mit Abwasser beregnet. Und sie wächst wunderbar."

Selbst für Nebenprodukte will das Daimler-Projekt Verwendung finden. Wenn der Jatropha-Nuss das Öl entzogen wurde, bleiben Pressrückstände, die als Futtermittel eingesetzt werden könnten. Jatropha-Mehl habe eine deutlich bessere Qualität als Soja, so Becker. Selbst das Jatropha-Gift Phorbolester könnte vermarktet werden. Becker will daraus ein Bio-Pestizid entwickeln. "Das ist ein Naturprodukt, damit können Bio-Landwirte Schädlinge bekämpfen."